Quelle: Volksstimme, 06.05.05

Die letzten Kriegstage in Magdeburg
Sternbrücke versank - Kommandant floh in den Herrenkrug

Der Autor Helmut Menzel hat für die Volksstimme die Ereignisse der letzten Kriegstage in Magdeburg in einer Serie zusammengefasst. Die in der Serie abgedruckten Ereignisse und Episoden sollen lediglich einen Überblick darstellen. Helmut Menzel hat seit mehreren Jahren eine über tausend Seiten umfassende Dokumentation zusammengetragen, und noch immer sind seine Recherchen nicht ganz abgeschlossen. In der Broschüre des Magdeburger Stadtzeugen Heft 7 gibt es erstmals eine zusammenfassende Darstellung des Geschehens. Die Broschüre "Magdeburger Stadtzeuge(n)", Teil 7, ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Die am Abend des 11. April 1945 von Ottersleben nach Fermersleben-Westerhüsen vorrückenden Panzer der 2. Panzerdivision der Amerikaner versuchte, an der Fährstelle Westerhüsen einen Brückenkopf zu bilden. In der Nacht vom 11. zum 12. April setzten zwei Bataillone des 41. US-Panzer-Grenadierregiments der 2. Panzerdivision mit Sturmbooten auf das Ostufer über. Am 13. April folgte ein weiteres Bataillon, welches inzwischen aus nördlicher Richtung Magdeburg erreicht hatte. Das Übersetzen von schweren Waffen und Panzern gelang jedoch nicht. Deutsche 8,8-cm- Flak, in Endkampfstellung gebracht, hatte von Magdeburg aus bereits in der Nacht die Brückenbaustelle unter Beschuss genommen. Jede Bewegung der amerikanischen Brückenbau-Pioniere wurde mit Flakgeschossen belegt. Die deutschen Artilleristen hatten wohl einen gut getarnten Artillerie-Beobachter in Westerhüsen versteckt, der einen ausgezeichneten Einblick auf die Baustelle des Brückenkopfes gehabt haben muss.

Die von den Panzer-Pionieren fast fertig gestellte Panton-Spurbahnbrücke wurde durch das Flakfeuer zerstört. Da half auch eine künstliche Nebelwand nicht.

Um diese Brücke unter möglichst geringem personellen Einsatz und möglichst schnell errichten zu können, hatte die 2. Panzer-Division auf einem Bereitstellungsplatz südlich von Ottersleben die Brückenrahmen vormontieren und mit Spezialfahrzeugen zur Elbe fahren lassen. Diese Teile wurden vor Ort auf aufblasbare Gummischwimmer montiert. Um für die Montage am Westufer Westerhüsens in der Nacht ausreichend Beleuchtung zu haben wurde hinter der Nebelwand mit Flakscheinwerfern der Himmel angestrahlt. Das Reflexionslicht würde hierfür ausreichend Helligkeit verschaffen, doch die dafür benötigte Wolkendecke riss auf und die Lichtkegel verloren sich im Nachthimmel.

Allenfalls boten sie der deutschen Flak in Magdeburg eine zusätzliche Orientierungshilfe für den Beschuss.

Daraufhin zogen sich die Amerikaner Richtung Schönebeck zurück, um in der Region Westerhüsen-Elbenau-Grünewalde einen neuen Brückenkopf zu bilden.

In den Nachtstunden zum 14. April wurde dem in Gommern liegenden 1. Bataillon des neu aufgestellten Grenadierregimentes "Scharnhorst" 2 unter der Führung von Hauptmann Rieger der Auftrag erteilt, den amerikanischen Brückenkopf anzugreifen und zu vernichten. Das Bataillon stieß über Elbenau vor und drängte die drei amerikanischen Bataillone, die auf verlorenem Posten lagen, in Richtung Grünewalde zurück und machten 230 Gefangene. Die zahlenmäßig viel geringeren Angreifer hatten den Vorteil, das Gelände besser zu kennen und verfügten über Sturmgeschütze aus der Sturmgeschützschule Burg. Die GIs waren bis zu diesem Zeitpunkt vollständig auf sich gestellt, ohne Nachschub an Material, Munition und ohne Panzerunterstützung. Daraufhin beschloss die Führung der 2. Panzerdivision die Räumung des gesamten Brückenkopfes und die Evakuierung der restlichen Einheiten auf das westliche Elbufer.

Am 13. April, in den Nachmittagsstunden, setzten Einheiten der 83. US-Infanterie-Division bei Barby über die Elbe. Dort gelang es schließlich, einen Brückenkopf mit einer Pionierbrücke zu errichten und schwere Kriegstechnik auf das ostelbische Ufer zu bringen. Nach dem Rückzug weiterer Einheiten der Wehrmacht wurde der über die Elbe führende Teil der Autobahnbrücke am 13. April, morgens 6.30 Uhr, gesprengt.

Bereits am Vormittag des 12. April erschütterte eine heftige Detonation das Magdeburger Stadtgebiet. Die erste innerstädtische Elbbrücke, die Sternbrücke, damals Adolf-Hitler-Brücke, sank in das Flussbett und versperrte die Durchfahrt. Der Kampfkommandant von Magdeburg, Generalleutnant Adolf Raegner räumte am 13. April mit seinem Stab die Encke-Kaserne und bezog seinen neuen Befehlsstand in sicherer Entfernung, in der General-von-Hippel-Kaserne am Margarethenhof, in der Nähe des Herrenkrugs.

Bereits jetzt war den führenden Militärs klar, Magdeburg könne sich gegen einen bevorstehenden massierten Angriff nicht lange halten, zumal die Sturmangriffe der US-Streitkräfte auf hartnäckig verteidigte Städte stets durch Jagdbomber verstärkt wurden. Mit dem führenden Militär hatten sich aber auch einige Kommandeure aus den zu sichernden Außenbereichen der Stadt zurückgezogen und ihre Mannschaften in Stich gelassen.

Die Panzersperren an wichtigen Ausfallstraßen waren noch von alten Volkssturmmännern und HJ-Kräften (Jugendliche) besetzt.

Von Helmut Menzel

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