Wilhelm-Adolf Farenholtz

geboren am 02. Juli 1886 in Goslar/Harz
gestorben am 10. Dezember 1945 in Mühlberg (NKWD-Speziallager I)
Unternehmer, Präsident der IHK Magdeburg
Wilhelm-Adolf Farenholtz begründete durch Fusionierung mit der Fa. Gustav Hubbe die Vereinigte Ölfabrikken Hubbe & Farenholtz mit Hauptsitz an der Berliner Chaussee.

Der zweite Sohn des Kommerzienrates Botho Farenholtz besuchte das Magdeburger Domgymnasium und absolvierte nach einer kaufmännischen Lehre beim Ölsaatenmakler Heinrich Heine in Magdeburg ein Praktikum in Hamburg und Marseille. Er war Kriegsteilnehmer im 1. Weltkrieg. Seit 1914 war er verheiratet mit Marianne (1895-1990), der jüngsten Tochter des Schokoladefabrikanten Hans Hauswaldt. Nach dem Tode des Vaters 1915 war F. Geschäftsführer und Alleininhaber der Fa. Gustav Wilhelm F., die er 1922 mit der seit 1840 in Magdeburg bestehenden Fa. von Gustav Hubbe in Magdeburg-Friedrichstadt zu den Vereinigte Ölfabriken Hubbe & Farenholtz fusionierte. Die Fa. erzeugte Öle und Fette für die Ernährung, zunächst überwiegend aus importierten Rohstoffen. Bei der Fertigung entstandene Nebenprodukte wurden für die Futtermittel- und Seifenindustrie verwendet. Unter F.s Leitung avancierte die Fa. zu einem bedeutenden Betrieb der Lebensmittelindustrie in Magdeburg und Umland. Dabei war ein besonderes Anliegen Farenholtz´die Verbesserung der sozialen Situation der Beschäftigten. Mit diesen entwickelte er in der Wirtschaftskrise um 1930 ein Solidar-Modell, mit dem sogar zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wurden. F. glaubte fest, dass nur auf den von der NSDAP aufgezeigten Wegen eine soziale und wirtschaftliche Konsolidierung Deutschlands möglich sei. Er engagierte sich daher schon Anfang der 1930er Jahre nachdrücklich für die NSDAP. 1933 wurde er Präsident der IHK Magdeburg, später auch der Wirtschaftskammer Mittelelbe bis zu deren Umgründung in die Gau-Wirtschaftskammer Sachsen-Anhalt. Seit 1938 Wehrwirtschaftsführer, versuchte F. gemäß Hermann Görings Vierjahresplan die wirtschaftliche Autarkie Deutschlands zu fördern und erfolgreich „Erstes deutsches Rapsfett“, synthetische Fettsäure, zu produzieren. F. galt in der Stadt als Exponent einer nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik. Er engagierte sich zudem in außerordentlíchem Maße für das geistige Leben von Magdeburg, war zeitweise Vorsitzender der Museumsgesellschaft Magdeburgs und des Kunstvereins, initiierte und förderte z.B. die Bücher „Der Magdeburger Dom“ von Walther Greischel (1929) und „Parthenopolis – Aussagen über Magdeburg“, ausgewählt von Werner Kirchner (1931). Unabhängig von den kulturpolitischen Vorgaben der Nationalsozialisten förderte F. die moderne Kunst – Erich Heckel, Emil Nolde, Lyonel Feininger, Karl Schmidt-Rottluff, Christian Rohlfs sowie deren Schüler Hanns Braun und Johannes Sass. Sein Wohnhaus Duvigneaustraße (heute Jean-Burger-Straße) beherbergte eine große Sammlung sogenannter „entarteter Kunst“ (weitgehend zerstört). F. stiftete dem Kaiser-Friedrich-Museum (heute Kulturhistorisches Museum) und der Stadt Magdeburg zahlreiche Kunstwerke, initiierte Vortragsreihen und Ausstellungen. Hatte schon sein Vater Botho F. den Architekten Paul Mebes das Haus Duvigneaustraße (Baudenkmal) errichten lassen, so beschäftigte F. in der Fa. häufig den expressionistisch arbeitenden Architekten Paul Schaeffer-Heyrothsberge. Das Bürohaus der Fa. (1936/37) hatte Heinrich Tessenow geplant. F. betrieb auch Tessenows Mitarbeit beim Bau der Cracauer Kasernen und ließ für die neue Brücke dort eine Pionierfigur (zerstört) schaffen; dem Bildhauer Frank Mehnert stand der spätere Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg Modell. Nach der Befreiung 1945 wurde der Firmenteil Friedrichstadt vollständig demontiert; mit dem Betriebsteil Sudenburg versuchten F. und die dort verbliebenen Beschäftigten, zuerst unter englischer, danach unter russischer Besatzung, zur Versorgung der Bevölkerung der Stadt beizutragen. Am 06. August 1945 wurde F. verhaftet und nach Mühlberg verbracht, wo er im Winter 1945 starb.

Quelle: Christian Farenholtz, Artikel „Farenholtz, Wilhelm-Adolf“ in: Heinrich/Schandera (Hrsg.), Magdeburger Biografisches Lexikon, 19. und 20. Jahrhundert, Scriptum-Verlag Magdeburg 2002

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