Göderitz, Johannes Gustav Ludwig, Prof. Dr. Ing.

Architekt, Stadtbaurat, Hochschullehrer

Johannes Göderitz ist der Erbauer der Stadthalle Magdeburg.

 Magdeburgs Stadtbaurat Bruno Taut beruft Mitte 1921 den Regierungsbaumeister beim Oberpräsidium Berlin, Johannes Göderitz, als Mitarbeiter in den Arbeitsstab des Stadtbaurates. Der acht Jahre jüngere Göderitz folgt dem Ruf seines Mentors und wird dessen persönlicher Assistent. Göderitz, der noch bei Peter Behrens und August Endell, den wichtigsten Vertretern der Berliner Vorkriegsmoderne, Vorlesungen gehört, erlebte die für Magdeburg wesentlichen Jahre der ja nicht unumstrittenen Stadtbauratschaft Tauts also in dessen unmittelbarer Nähe. Nach dem Weggang Tauts aus Magdeburg erfolgt 1923 zunächst die Ernennung des Magistratsbaurates Göderitz zum Dezernenten der Hochbauverwaltung sowie 1927 schließlich offiziell die zum Magdeburger Stadtbaurat. Eine Stelle, die er bis zu seiner am 15. Juni 1933 erfolgten Amtsenthebung bekleidet. Der Vorwurf von nationalsozialistischer Seite: Göderitz sei Kulturbolschewist. Göderitz verliert sämtliche Ämter, arbeitet bis 1936 als freier Architekt in Magdeburg.

Göderitz prägt entscheidend den Ruf Magdeburgs als „Stadt des Neuen Bauwillens“, einer Stadt, die den Vergleich mit Berlin oder Frankfurt/Main in dieser Hinsicht nicht zu scheuen brauchte. Bruno Taut bezeichnete Magdeburg in „Die neue Baukunst in Europa und Amerika“ als „ein Nebenzentrum des Neuen Bauens“. Die Stadt selbst sollte zu einem Gesamtkunstwerk der Moderne geformt werden. Der erste große Siedlungskomplex, bei dem Johannes Göderitz neben den Architekten Konrad Rühl und Gerhard Gauger als Stadtplaner direkten Einfluss nimmt, ist die heutige Hermann-Beims-Siedlung, die 1924 an der Großen Diesdorfer Straße entsteht. Im selben Jahr werden, noch geplant mit Bruno Taut, die Viehmarkt- und Ausstellungshalle „Land und Stadt“, die heutige Hermann-Gieseler-Halle sowie verschiedene Bauten auf dem Ausstellungsgelände Rotehorn erbaut. 1925 holt Johannes Göderitz mit Fritz Kneller einen Architekten in seinen Baustab, überträgt ihm das mit der Er- und Ausarbeitung von Neubauprojekten in Magdeburg betraute Entwurfsbüro - und beruft ihn auch als persönlichen Assistenten. Kneller hat seine Berufserfahrung unter anderem im Atelier von Peter Behrens in Neubabelsberg gesammelt.1926/27 schließlich entsteht auch die Stadthalle im Rotehornpark. Es ist letztendlich dieser Bau, der in der heute noch imposant kurzen, dazu termingerechten Bauzeit von viereinhalb Monaten, sozusagen im Wettlauf mit dem Frühling entsteht, wie Ilse Molzahn seinerzeit in einem Volksstimme-Feuilleton schreibt, der den Ausschlag dafür gibt, dass Göderitz nun, 1927, zum Stadtbaurat gewählt wird. 1928 gibt Göderitz den von ihm gemeinsam mit dem Städtebaudezernenten Konrad Rühl erarbeiteten Generalbebauungsplan und die maßgeblich von Göderitz selbst erarbeitete neue Stadtbauordnung heraus. Sie bezieht sich beispielsweise auf eine Trennung von Arbeits-, Wohn- und Erholungsflächen. Leider gelingt ihm die Umsetzung nur in Ansätzen. Sie scheitert beispielsweise schon am fehlenden Eingemeindungswillen der umliegenden Ortschaften.
1929 übernimmt er zusätzlich das Dezernat für Theater und Orchester. Im selben Jahr richtet er im Hochbauamt eine grafische Arbeitsstelle ein, deren Leitung er 1929 dem Bauhaus-Fotografen Xanti Schawinski anträgt. Im Ergebnis entstehen einheitlich gestaltete Plakatwände, ein aufeinander abgestimmtes Ausstellungsdesign, Informationsbroschüren, die allesamt die Eleganz der modernen Großstadtästhetik der zwanziger Jahre atmen. 1930 gründet er den Magdeburger Verein für deutsche Werkkunst, dessen Vorsitz er übernimmt. Göderitz versteht den Verein als Fortsetzung des ehemaligen Kunstgewerbevereins. Darüberhinaus hält er eine enge Verbindung zum Bauhaus.
1932 legt er als Zusammenfassung seiner bisherigen und in der konsequenten Fortführung seiner stadtplanerischen Arbeit ein Konzept zur Sanierung der Innenstadt vor.
Immer wieder versucht Göderitz, seine Ideen in Magdeburg einem breiten Publikum in Ausstellungen, Vortragsreihen gar und Podiumsdiskussionen vorzustellen. Die „Erziehung des Volkes zur Kunst“ war ihm, wie vor ihm Taut, ein persönliches Anliegen. Wie Städtebau, Architektur und Kunst für ihn in der modernen Stadtgestaltung untrennbar zusammengehörten.
Der 1888 in Ramsin bei Bitterfeld geborene Architekt, Stadtplaner und Fachschriftsteller Johannes Göderitz, der schließlich nach dem 2. Weltkrieg von 1945 bis 1953 als Stadtbaurat den Wiederaufbau des kriegszerstörten Braunschweigs leitet und neben etlichen anderen Funktionen und Lehraufträgen auch bis 1970 die des Lehrbeauftragten für Raumordnung und Landesplanung an der TU Braunschweig innehält, stirbt 1978 in Braunlage.

Ludwig Schumann

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