Um die Jahrhundertwende wurde der Kasernenbereich an der Turmschanzenstraße stadtbildprägend am östlichen Elbufer angelegt. Die Kaserne Turmschanzenstraße Süd wurde als erster Abschnitt Ende des 19. Jahrhunderts in Neorenaissancearchitektur erbaut, die Kaserne Turmschanzenstraße Nord folgte Anfang des 20. Jahrhunderte in barockisierenden Formen. Unter anderem war hier ab 1920 die Trainabteilung Nr. 4 stationiert, die vorher in der o.g. Trainkaserne am Buckauer Tor ihren Standort hatte. Die meisten Kasernengebäude wurden in den letzten Jahren denkmalgerecht saniert und werden heute von Landeseinrichtungen genutzt.

Ebenso wir die Kaserne an der Thomas-Mann-Straße stammen auch die große Kaserne am Jerichower Platz und das ehemalige Lazarett an der Breitscheidstraße aus den 30er Jahren und stellen den letzten großen Schub in der baulichen Entwicklung der Garnisonsstadt während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Letztere beide Anlagen wurden zwischen 1936 und 1939 in einem Zuge errichtet. Die Kaserne am Jerichower Platz ist ein gutes Beispiel für die unter den Nationalsozialisten gebräuchliche Architektursprache, die auf die monumentale Darstellung staatlicher und militärischer Macht ausgerichtet war. Die von Heinrich Tessenow, einem der bedeutendsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts, errichtete Anlage ist in ihrer Formensprache äußerst schroff und knapp, was durch den grob behauenen Sandstein und die großen Baukörper (besonders das monumentale ehemalige Hindenburgehrenmal) noch verstärkt wird. Im Gegensatz zur Strenge der Gebäude steht die Anordnung auf dem Gelände und die Führung der Straßen, die eher gartenstadtartigen Charakter haben. Die Gebäude wurden in den letzten Jahren saniert und werden von Behörden genutzt bzw. dienen als Ausstellungsgebäude für Messen.

Das ehemalige Lazarett an der Breitscheidstraße wurde nach 1945 als sowjetische Kaserne genutzt und beherbergt heute nach seiner denkmalgerechten Sanierung einen Teil der Fachhochschule. Bei den Gebäuden handelt es sich um sehr schlichte zwei- bis dreigeschossige Putzbauten mit Walmdächern mit wenig dekorativem Schmuck. Gleichwohl wirken sie durch ihre Gestaltung und Anordnung beeindruckend. Die Kaserne an der Thomas-Mann-Straße wurde 1937/38 als Flakkaserne errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie bis 1991 durch die sowjetischen Streitkräfte genutzt. Nach einer Zwischennutzung als Asylbewerberheim steht die Anlage heute leer. Von den zahlreichen Gebäuden auf dem weitläufigen Areal ist der größte Teil inzwischen abgebrochen worden. Geblieben sind drei markante Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Die Gebäude Nr. 1 und 2 bildeten den monumental-ehrenhofartig gestalteten Kernbereich der Kaserne, in östlicher Richtung schließt sich mit dem Gebäude Nr. 6 das ehemalige Kasino an. Die Gebäude weisen auch heute noch auf den einzigartigen, gegenüber den anderen Kasernen sehr individuellen Charakter der Anlage hin und zeigen immer noch in eindrucksvoller Weise die Formensprache der nationalsozialistischen Militärarchitektur.

Quelle: Denkmalpflegeplan der Landeshauptstadt Magdeburg, Landeshauptstadt Magdeburg/Stadtplanungsamt, S. 151 ff.

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